Notizen zum Lektorat des Hinterns

Über das Lektorat des Hinterns… oder wie alles begann :)

 

Was bedeutet „lektorieren“? Da die meisten von uns Bücherwürmer sind, ist das sicher ein geläufiger und bekannter Begriff. Für die, die es nicht wissen, hier eine kurze Erklärung:

Quelle Wikipedia/Lektorat

 

Lektorat

Das Aufgabenfeld in einem Lektorat umfasst vorwiegend die rechtschreibliche, stilistische, grammatische und inhaltliche Verbesserung der Texte – aber auch die Prüfung der eingehenden Manuskripte oder Typoskripte, die Zusammenstellung eines Verlagsprogramms und die Begleitung von Skripten bis zur Veröffentlichung. Werden Texte nur rechtschreiblich und grammatisch überprüft, spricht man eher von einem Korrektor. Die stilistische Bearbeitung wird als stilistisches Lektorat bezeichnet, dass zwar zumeist ein Korrektorat einschließt, jedoch stets darüber hinausgeht. Zunehmend gebräuchlich ist auch der englische Begriff copy editing.

Aufgaben des Lektorats

Der Lektor führt textliche Korrekturen nicht nur selbst durch, sondern steht den Autoren diesbezüglich mit Rat und Tat zur Seite. Dies führt nicht selten zu einer inhaltlichen Anpassung des Werkes an das Verlagsprogramm.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Wert der in Deutschland jährlich erbrachten Lektoratsdienstleistungen wird vom Branchenverband auf über eine Milliarde Euro beziffert. Der größte Anteil entfällt hierbei auf fest angestellte Lektoren in Werbeagenturen und Verlagshäusern.

Durch die Möglichkeit der Datenübertragung über das Internet werden in der Praxis zunehmend Lektoratsleistungen von externen Lektoren übernommen.

Besondere Zulassungsvoraussetzungen zur Ausübung des Lektorenberufs gibt es nicht.

 

Aber nun endlich zum Hintern, und wie alles begann :)

 

Es begann also, am 18. Januar 2013, mit einem Facebook-Dialog:

 

Unterhaltung 18. Januar gestartet

09:12

Sandra Hausser

…. aber ich verrate Dir was, einen Korrekturleser könnte ich echt so langsam gebrauchen. Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr

 

09:13

Claudia

dann schick mal, ich seh die Bäume noch!

Ich bekam einen Teil der Story ohne Namen, worum es geht und wo ihr sie findet >>> klick hier  

Und dann das… ich freu mich grad wieder so sehr, wenn ich das lese:

10:14

Sandra Hausser

Okay und wenn mir Dein Getobe gefällt, reden wir heute Abend über ein zwei andere Projekte, wenn Du noch Zeit und Kapazitäten hast

 

10:19

Claudia

gern und ich hab grad ein Büchlein, aber da bin ich gleich fertig... freuuuuuuuuuuuuuuuu

 

10:21

Sandra Hausser

Super, ich wollte eine Überarbeitung von meinem Hintern Buch bevor es als E-Book kommen soll

 

und natürlich schon immer eine Lektorin aus Berlin

 

10:22

Claudia

ein HINTERN-Buch??? muaaaaaahaaaaa... Po? Hintern? na, da bin ich ja gespannt...

 

Es schien gefallen zu haben, denn ich bekam das 1. Kapitel vom Hintern… habs gefressen und dann… wartete ich. Und wartete… Sandra wollte erst einmal selbst überarbeiten.

 

Irgendwann, nach gefühlten hundert Jahren und wundgehibbeltem Hintern, also mein eigener, bekam ich den Hintern endlich, also Sandras. Nicht den echten, nein, also nicht Sandras ureigensten, sondern endlich das Manuskript (ab jetzt MS abgekürzt). Ich weiß noch, dass ich es erstmal wieder in einem Rutsch gelesen habe. Erstens, weil ich so dermaßen neugierig war, und zweitens, weil ich das immer so mache, um ein Gefühl für das MS zu bekommen.

 

Beim ersten gierigen Lesen habe ich schon gemerkt, dass eigentlich gar nicht sooooo viel zu tun war. Ein paar Flüchtigkeitsfehler bei Rechtschreibung und Grammatik, bei der Kommasetzung… zu viele Satzanfänge mit UND. Aber wirklich überschaubar.

 

Bisher durfte ich für das Verlagshaus el Gato lektorieren und da war der Ablauf so: Erstes Lektorat, Autor überarbeitet. 2. Lektorat, Autor überarbeitet und anschließend schaut Verlegerin drüber. Dann habe ich gebeten, dass ich das Enddokument, meist ein PDF, noch einmal lesen darf, bevor es in den Druck geht. Das erfolgt parallel und zeitgleich mit dem Autor.

 

So haben wir es beim Hintern auch gemacht, nur dass das dritte Lektorat hier eigentlich nicht nötig gewesen wäre, wenn Sandra nicht beim 1. Lektorat geschusselt hätte. In diesem Fall kann und werde ich auch sehr deutlich, denn wenn ich Korrekturen zweimal machen muss, dann werde ich sauer. Ich rede hier nicht von Stil-Veränderungen oder inhaltlichen Änderungen, sondern von eindeutigen Rechtschreib- oder Grammatikfehlern, Kommasetzungen. Sandra hat die Kritik wirklich gut angenommen und vertragen… und umgesetzt. Das ganze Lektorat war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung, zwischen Autor und Lektor und natürlich zum Buch. Bei jedem Lektorat wurde es kreativer und lustiger und es sind so schöne neue und alt-neue Szenen entstanden.

 

Einen kleinen Auszug aus dem Lektorat möchte ich euch gerne hier zeigen:

 

 

Hier ist Sven von Wienershausen. Frau Frank?“

   „Ja“, antwortete ich stotternd.

   „Gott sei Dank. Ihr Kollege schien mir mit meinen Fragen leicht überfordert zu sein. Sind Sie sicher, dass es meiner Mutter Spaß machen wird, mit dem Zug durch China zu reisen?“

   „Wie bitte?“, fragte ich entgeistert und hoffte, mich verhört zu haben.

   „Nun ja, ich weiß, dass sie gerne ausgefallene Urlaube bucht, aber so ganz ohne Komfort?“

Ich schluckte, schloss die Augen und wünschte mir ein Loch herbei. Ein sehr großes Loch, groß genug, so groß um mich und Rudi - tja, da hatte er eben Pech gehabt - mitsamt dem gesamten Reisebüro zu verschlucken. Die Buchung war falsch gelandet, was hatte ich getan? Meine Knie wurden weich, mein Hals schnürte sich sekundenschnell und bedrohlich zu. Die Katastrophe, ungeahnt und heftig, brach unweigerlich über mich herein.

   „Herr von Wienershausen, da liegt eine fatale Verwechslung vor, ich komme sofort an den zum Flughafen.“

   „Was haben Sie gesagt?“, brüllte er in den Hörer. „Ich hab hier einen furchtbar schlechten Empfang. Und meine Mutter kommt zurück, ich muss auflegen. Ich rufe Sie nachher an, wenn ich sie in den Flieger gesetzt habe. Ciao.“

Es klickte und er war weg. Hastig lief ich an meinen Computer und überprüfte meine letzten Buchungen. Zuerst fand ich keinen Fehler, aber ich hatte ein Desaster verursacht, und irgendwo musste etwas zu finden sein. Doch selbst wenn ich ihn fand, was konnte ich noch retten?

 


 

Ok, der Hintern war fertig, und nun? Sandra und ich wurden über das Lektorat Freundinnen und so durfte ich den Hintern auch weiter begleiten, was für mich echt eine Premiere ist und ich habe so viel dabei gelernt. Es ist so schwer, das fertige Baby dann „an den Leser zu bringen“. Meistens sind die Angebote für Selbstverleger echt grausam, da bleibt nichts über.

 

Sandra hat sich dann für Neobooks entschieden und nimmt hier an einem Wettbewerb teil. Kommt sie in die Auswahl, dann druckt die hinter Neobook  stehende Verlagsgruppe Droemer Knaur das eBook. Eine wirkliche Chance, die wir nach langem Überlegen nutzen möchten.


Sandra Hausser und ihr Hintern, also nicht der leibliche, sondern ihr Buch :) sind mir wirklich ans Herz gewachsen und meine Rezension ist ehrlich und kommt von Herzen. Ich hoffe, wir konnten euch den Hintern und etwas von seiner Entstehungsgeschichte näher bringen… und euch interessieren. Ihr werdet es nicht bereuen.


Und ich weiß aus sicherer Quelle: wir werden noch mehr von Diana und Henke lesen dürfen, denn Sandra brütet schon neue Ideen aus… zur Fortsetzung und/oder Nebengeschichte mit Wiedersehen. Und ich hoffe so sehr, dass ich das „Zweitgeborene“ wieder bei der Geburt begleiten darf. Ich hatte so einen riesen Spaß und habe nebenbei eine Freundin gefunden, die ich nicht mehr missen möchte und endlich auch bald, ganz bald, persönlich kennenlernen darf.

18.09.2013 edit: Kennenlernen erfolgreich erfolgt, wir mögen uns (und den Hintern) immernoch :)